Risk Variation in Trend-Following Systems: Warum Performance-Unterschiede trotz identischer Signale entstehen
- 6. Feb.
- 4 Min. Lesezeit
Motivation
Warum erzielen Trend-Following Manager mit ähnlichen Ansätzen so unterschiedliche Ergebnisse? Die Antwort liegt nicht alleine in der Signal-Generierung, sondern auch im Risk Management Design.
Der Beitrag analysiert systematisch, wie unterschiedliche Risiko-Allokationsregeln die Performance beeinflussen – selbst bei identischen Trend-Signalen.
Das Jahr 2019
2019 war ein perfektes Lehrbuch-Jahr für diese Fragestellung.
Während Fixed Income spektakuläre Trends lieferte, zeigten andere Asset-Klassen (AC) deutlich schwächere oder keine Trends:
· Fixed Income: Starke, konsistente Abwärtstrends bei Yields
· Equities: Volatil und trendlos mit großen Drawdowns
· Commodities: Gemischte Signale ohne klare Richtung
· FX: Überwiegend seitwärts bewegend
Das Ergebnis: Der Barclays BTOP50 Index zeigte eine Rendite-Spanne von -5% bis +12% zwischen den besten und schlechtesten Managern. Diese Diskrepanz lässt sich nicht durch unterschiedliche Signale erklären – alle hatten Zugang zu denselben Märkten und Trends.
Die fünf kritischen Design-Entscheidungen
Ein Studie von AlphaSimplex identifiziert dabei fünf fundamentale Design-Fragen im Trend-Following:
1. Signal-Generierung
Absolute vs. Cross-Sectional Momentum
· Absolute: Zeit-Serie jedes Marktes unabhängig (klassischer Ansatz)
· Cross-Sectional: Relative Stärke zwischen Märkten
Die meisten diversifizierten CTA-Manager nutzen absolute Momentum-Signale.
2. Cross-Sectional Risk Allocation
EAR vs. TVR (Die entscheidende Wahl)
Equal Asset Class Risk (EAR):
Fixe Risiko-Budgets pro Asset-Klasse (z.B. 25% für Equities, FI, Commodities, FX)
Time-Varying Risk (TVR):
Dynamische Allokation basierend auf Trend-Stärke (Signal Conviction)
2019 Impact: TVR-Systeme konnten massiv vom Fixed Income Trend profitieren, während EAR-Systeme gezwungen waren, Kapital in schwächere Asset-Klassen umzuschichten.
3. Portfolio-Level Risk Targeting
CRT vs. SRT
Constant Risk Targeting (CRT):
Fixe Portfolio-Volatilität (z.B. 10% p.a.), unabhängig von Signal-Stärke
Signal-Based Risk Targeting (SRT):
Höheres Risiko bei starken Trend-Signalen, niedriges bei schwachen
Philosophie: CRT stabilisiert das Risiko-Profil. SRT erhöht die "Conviction" – nimmt mehr Risiko bei starken Trends.
4. Rebalancing
Continuous vs. Periodic
· Continuous: Täglich oder bei signifikanten Marktbewegungen
· Periodic: Feste Intervalle (wöchentlich, monatlich)
Häufigeres Rebalancing bedeutet höhere Transaction Costs, aber bessere Trend-Partizipation.
5. Timing-Ansatz
End-of-Day vs. Intraday
Technische Frage der Signal-Implementierung, weniger relevant für strategische Performance-Unterschiede.
Die vier Risk-Rescaling-Kombinationen
AlphaSimplex simuliert in seiner Studie dazu vier Kern-Strategien für 2019 mit folgendem Ergebnis :
Strategie | Cross-Sectional | Portfolio-Level | 2019 Performance |
EAR-CRT | Fixed 25% AC Risk | Constant 10% Vola | ~+6% |
EAR-SRT | Fixed 25% AC Risk | Signal-Based | ~+4% |
TVR-CRT | Time-Varying | Constant 10% Vola | ~+12% |
TVR-SRT | Time-Varying | Signal-Based | ~+8% |
Die Ergebnisse im Detail:
1. TVR-CRT: Der klare Gewinner 2019 (+12%)
· Maximale Partizipation am Fixed Income Trend
· Konstantes Risiko-Budget (10% Vola) wird optimal auf trendende Märkte fokussiert
· Keine Zwangs-Allokation in schwache Märkte
2. EAR-SRT: Der Verlierer (+4%)
· Fixe 25% Risiko-Budgets pro Asset-Klasse zwingen zur Diversifikation in trendlose Märkte
· Signal-Based Risk Targeting reduziert zusätzlich das Gesamt-Exposure
· Doppelte Restriktion: weder flexible AC-Allokation noch konstantes Risk-Taking
3. EAR-CRT & TVR-SRT: Mittelfeld
· EAR-CRT: Fixe AC-Allokation, aber konstantes Risiko-Budget stabilisiert Performance (~+6%)
· TVR-SRT: Flexible AC-Allokation, aber reduziertes Exposure durch SRT (~+8%)
Die praktischen Implikationen
Was bedeutet das für dein Trading-System?
1. TVR ist nicht immer besser
2019 war ein "TVR-freundliches" Jahr mit klarer Trend-Konzentration in einer Asset-Klasse. In Jahren mit breiter Diversifikation über alle ACs hinweg kann EAR stabilere Ergebnisse liefern.
2. CRT vs. SRT ist eine Philosophie-Frage
· CRT: Präferenz für konsistentes Risiko-Profil, unabhängig von Markt-Umfeld
· SRT: Präferenz für "adaptive conviction" – mehr Risiko in starken Trend-Phasen
3. Asset-Class-Caps als Mittelweg
AlphaSimplex empfiehlt TVR mit Asset-Class-Caps (z.B. maximal 40% Portfolio-Risiko pro AC):
· Erlaubt Flexibilität für starke Trends
· Verhindert extreme Konzentration
· Balanciert Diversifikation und Opportunität
Eine Beispiel-Implementierung wäre wir folgt:
Target Portfolio Vola: 10%
Max AC Risk: 40% × 10% = 4% pro Asset-Klasse
Wenn Fixed Income-Trends 8% Risiko-Beitrag generieren würden:
· → Cap bei 4%
· → Restliches Budget (6%) auf andere ACs verteilen
Historischer Vergleich: 2008 vs. 2019
Das Paper vergleicht 2019 mit 2008 – einem Jahr, in dem beide Ansätze gut funktionierten:
2008:
· Starke, synchrone Trends über alle Asset-Klassen hinweg
· Equities crashen, Fixed Income rallied, Commodities kollabieren, USD steigt
· EAR und TVR liefern ähnliche Performance (~+20%)
2019:
· Trend-Konzentration in Fixed Income
· Andere Asset-Klassen trendlos oder konträr
· TVR massiv überlegen (+12% vs. +6% für EAR-CRT)
Die Lektion: In Krisen mit breiten, synchronen Trends ist die Risk-Allocation weniger relevant. In "Single-Trend-Jahren" entscheidet das Design über Erfolg oder Misserfolg.
Praktische Umsetzung:
TVR mit Asset-Class-Caps
So setzt du einen TVR-Ansatz mit Caps um:
Schritt 1: Berechne Raw Positions
w_raw = Signal / Volatilität (pro Markt)
Cap z.B. bei ±2.0 (Max Position pro Markt)
Schritt 2: Skaliere auf Target Vola
Portfolio Vola (raw) = √(Σ(w_raw × σ)²)
Scale Factor = Target Vola / Portfolio Vola (raw)
w_base = w_raw × Scale Factor
Schritt 3: Asset-Class Risk Contribution
Risk Contribution (pro Markt) = w_base × σ
AC Risk (pro Klasse) = √(Σ Risk Contrib²) für alle Märkte in AC
Schritt 4: Wende AC-Caps an
Cap Level = AC Cap (z.B. 40%) × Target Vola
AC Scale Factor = MIN(1; Cap Level / AC Risk)
w_TVR (final) = w_base × AC Scale Factor
Schritt 5: Finale Portfolio Vola
Portfolio Vola (TVR) = √(Σ(w_TVR × σ)²)
Sollte ≤ Target Vola sein
Fazit: Design entscheidet über Performance
Trend-Following ist kein homogener Ansatz.
Die Performance-Unterschiede zwischen Managern sind weniger nur auf "Alpha-Generierung" und "Zauber-Indikatoren" zurückzuführen als auch auf bewusste Risk-Management-Entscheidungen.
1. Flexible Asset-Allocation (TVR) ermöglicht opportunistische Partizipation an konzentrierten Trends – wie 2019 in Fixed Income.
2. Constant Risk Targeting (CRT) stabilisiert das Risiko-Profil und verhindert ungewollte Exposure-Reduktion in trendstarken Phasen.
3. Asset-Class-Caps bieten den optimalen Mittelweg zwischen Flexibilität und Diversifikation.
Für systematische Trader bedeutet das: Kenne dein Risk-Rescaling-Design und verstehe, in welchen Markt-Umfeldern es funktioniert. Es gibt kein "bestes" System – nur das System, das zu deiner Risiko-Philosophie und deinem Zeithorizont passt.
Eine Anmerkung :
Die Systeme die wir real handeln sind in der Signalgenerierung extrem einfach gehalten. Meist nur mit 1-2 Parametern. Wenn überhaupt...
Das Risiko ist das einzige, was wir während des Trades managen können.
Unter dem folgenden Link können Sie die konkreten Implementierungsschritte für ein Beispiel System herunterladen :
Ressourcen
· Original Paper: Kaminski, K. & Yang, A. (2020). "Risk Variation in Trend-Following Systems". AlphaSimplex Group.
Über den Autor
Tobias Lüke ist systematischer Trader mit Fokus auf Trend-Following und Risiko-Management.
Auf cja.capital analysiert er quantitative Trading-Strategien und teilt praktische Implementierungen.
Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Trend-Following-Strategien können erhebliche Verluste verursachen. Führe eigene Analysen durch und konsultiere professionelle Berater.


